Zeitlos, Teil 2

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Jeannette-Anna Hollmann
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Re: Zeitlos, Teil 2

Beitrag von Jeannette-Anna Hollmann » Fr 26. Jul 2019, 10:41

Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken bei Selbstgesprächen komme ich, wenn ich will, nach dem systematischen Repetitorium der literaturwissenschaftlichen Hilfsmittel darauf, dass ich irgendwo in dieser Wüste der Einsamkeit noch ein Buch in einer Ecke stehen habe, was mir das genüssliche Gefühl offenbart, nicht allein zu sein, damit ich auch morgen noch einen Grund finde, zu geniessen, was meine überaus empfindliche Wetterfühligkeit lebenswert macht.

(CO) Me, auf Anna 2019

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Jeannette-Anna Hollmann
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Re: Zeitlos, Teil 2

Beitrag von Jeannette-Anna Hollmann » So 4. Aug 2019, 22:11

Sehr schön 😍
Gedicht von Mario de Andrade (San Paolo 1893-1945) Dichter, Schriftsteller, Essayist und Musikwissenschaftler.
Einer der Gründer der brasilianischen Moderne.
________________________

*Meine Seele hat es eilig.*

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.
Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten isst sie mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig sind, begann es, sie wirklich zu genießen.
Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.
Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen , die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind.
Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeiten zu kämpfen.
Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren.
Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten.
Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.
Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren. Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süssigkeiten in der Packung.

Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind.
Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden.
Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen.
Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten.
Es ist das, was das Leben lebenswert macht.
Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren.
Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.
Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden.
Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.
Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.
Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.

_Schicke es an alle Deine Freunde im Alter von 40 und älter!_
_Es ist Verboten es zu behalten)_


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Re: Zeitlos, Teil 2

Beitrag von Jeannette-Anna Hollmann » So 29. Sep 2019, 03:52

Eines Tages stand ein junger Frau in der Stadt und erklärte, dass sie das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich, und bewunderte ihr Herz. Es war wirklich makellos schön und das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Da trat plötzlich eine alte Frau aus der Menge hervor und sagte: "Nun, dein Herz ist schön, aber nicht annähernd so schön, wie meines. Die Menschenmenge und die junge Frau schauten das Herz der alten Frau an. Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, an denen Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Diese aber passten nicht richtig zusammen, und es gab einige ausgefranste Ecken. An manchen Stellen waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten. Verwundert starrten sie die Leute an: Wie kann sie behaupten, ihr Herz sei schöner, dachten sie?
“Du scherzt“, sagte die junge Frau und zeigte auf das Herz der alten Frau. "Dein Herz mit meinem zu vergleichen ist vermessen. Meines ist perfekt, und deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen."

"Ja", sagte die alte Frau, "deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit Dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen, und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das an die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten.
Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dafür ein anderes zurückzubekommen. Das sind die leeren Furchen. Du kannst nicht erwarten, dass du, wenn du gibst, etwas zurückbekommst. Das Risiko wirst du aber, wenn du gibst, immer eingehen müssen. Auch wenn die Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen, und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diesen Menschen empfinde. Ich habe aber Hoffnung, dass ich eines Tages jene Menschen noch einmal treffen werde, und vielleicht werden sie mir dann ein Stück ihres Herzens geben. Wenn das so sein wird, ist der Platz ausgefüllt. Erkennst du jetzt was wahre Schönheit ist?"

Die junge Frau stand still da, und Tränen rannen über ihre Wangen. Sie ging auf die alte Frau zu, griff nach ihrem perfekten, jungen und schönem Herzen und riss ein Stück heraus und bot es der alten Frau mit zitternden Händen an.
Dieser nahm sie vorsichtig, fast zärtlich und setzte es in ihren Herz. Sie nahm dann ein Stück ihres alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde in des jungen Frau des Herz. Diese sah ihr Herz an. Es war es nicht mehr makellos, aber doch schöner als je zuvor, und sie spürte, wie die Liebe der alten Frau ihr Herz erfüllte. Beide Frauen umarmten sich und gingen ihrer Wege, so lange, bis ihre Herzen aufhörten zu schlagen. Ein Herz kann man nicht kaufen, doch wenn man Glück hat, bekommt man es geschenkt!

📷

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Re: Zeitlos, Teil 2

Beitrag von Jeannette-Anna Hollmann » So 29. Sep 2019, 05:43

Wer sich über das freut, was er hat, hat keine Zeit mehr,
über das zu klagen,
was er nicht hat.
Ernst Ferstl

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